Quartalsbericht
Dez.-Feb.
Es
gibt mal wieder etwas Neues aus dem fernen, fernen Land hinter dem
großen, tiefen See.
Und
das auch noch ganz ohne Probleme, ohne Beschwerden oder schlechter
Erfahrungen!
Ich
hatte die Hoffnung ja schon fast aufgegeben, aber ich fange
mittlerweile wirklich an mein Austauschjahr zu genießen.
„Wurde ja auch langsam Zeit“, wie alle sagen.
Ehrlich
gesagt bin ich mit der Monatseinteilung ein wenig durcheinander
gekommen, da ich meinem anderen Quartalsbericht noch November
hinzugefügt habe, obwohl der eigentlich in diesem Bericht sein
müsste, weil sonst ein Monat fehlt… aber dann beinhaltete
der andere eben 4 und dieser 2 Monate.
Es
ist sowieso so viel passiert, dass ich das locker in einem halben
Jahr hätte erleben können.
Ich
beginne einfach mal mit Weihnachten. Das gar nicht so anders abläuft.
Außer, dass es keine Schokoladenweihnachtsmänner gibt, der
Weihnachtsbaum aus Plastik ist, es keinen Schnee gib, keine
Weihnachtsgans, keine… Moment – eigentlich ist es doch
total anders.
Aber
bevor ich auf die Details komme, möchte ich erzählen, wie
Till und ich Rotaract und der Feuerwehr geholfen haben Geschenke an
arme Kinder zu verteilen.
Wir
trafen uns alle in der Feuerwehrstation und halfen, ca.500 Mülltüten,
voll mit Bällen, Malbüchern, Frisbeescheiben und weiteren
Kleinigkeiten, auf 5 LKWs zu laden. Till und ich saßen mit
Rotaract auf dem Hauptwagen, auf dem ein großer
Weihnachtsmannschlitten gespannt war. Der Weihnachtsmann war
selbstverständlich auch da.
So
fuhren wir von einer Schule zur anderen und wurden mit
Dankesplakaten, Eltern und überglücklichen Kindesgesichtern
begrüßt. Alle kämpften darum, zum Schlitten
hochgehoben zu werden und einen der heißbegehrten Küsse
vom Weihnachtsmann zu bekommen. Die Geschenke wurden verteilt und es
ging weiter.
Das
ging ganze 4 Stunden so und wir hatten eine Menge Spaß und ich
ein weiteres UNVERGESSLICHES Erlebnis. Vor allem der letzte Stop am
Altersheim hat mich sehr bewegt. Nicht nur der Gedanke, es könnte
ihr letztes Weihnachten sein, sondern auch Freude über die
Geschenke hat so einige zum Weinen gebracht.
Am
Abend kamen dann die Großeltern meiner Familie und es wurde
gegessen; Melone, Ananas, Schinken und Hühnchen. Um Mitternacht
wurden einige Feuerwerkskörper gezündet und ein „Farolito“,
eine Art Lampe aus Papel, in der ein Feuer angezündet wird und
mit der erwärmten Luft in den Himmel steigt. Unserer hat leider
Feuer gefangen und viel 5 Minuten später wieder brennend vom
Himmel.
Danach
rennen alle ins Haus um die Geschenke auszupacken und das
Geschenkpapier
zu
zerfetzen, was Glück bringen soll.
Um
2:30Uhr gingen wir dann auf eine Party auf der ich nicht lange blieb,
da es sehr voll und ziemlich kalt war. Ich habe dann meine
Weihnachtsnacht damit verbracht, einen gut angetrunkenen Freund nach
Hause zu bringen.
Am
27.12. und 28.12. wurde gefeiert; der Geburtstag einer Freundin und
um Mitternacht dann der Geburtstag meiner Gastschwester Maca. Dazu
fuhren wir in einer Disco in einem anderen Dorf. In der Disco bekamen
wir alle Aufmerksamkeit, da jede von uns ein Kleid trug und einen
Haarreifen mit Sternchenantennen im Haar hatte, die hier für die
15.Geburtstage, die ein riesiges Spektakel sind, verwendet werden.
Wir haben wirklich sehr viel getanzt und für gute Stimmung
gesorgt. Mit einem Gruß an die „Sternchen aus Esperanza“
wurde uns ein Lied gewidmet. hahaha. Und um 6:00Uhr haben uns meine
Gasteltern abgeholt.
Am
nächsten Morgen ging es dann in den Norden Argentiniens, nach
San Juan, der Heimatprovinz meines Gastvaters, um dort Silvester zu
feiern und mit der Verwandtschaft ein paar Tage auszuspannen.
Es
war eine Woche mit sehr wenig Schlaf, da das Haus absolut überfüllt
war, und die Matratzen zu zweit oder dritt geteilt wurden. Außerdem
ist es dort oben sehr trocken und wahnsinnig heiß, was nicht
gerade zum Schlafen anregt.
Am
31.12 kamen dann wirklich alle Freunde und Verwandte um ins neue Jahr
reinzufeiern.
Wir
waren ungefähr 30 Personen und es waren 5 Generationen
vertreten!!!
Es
wurden wie in Deutschland Raketen und Böller angezündet und
als Festessen, gab es ein ganzes Schwein vom Asadogrill. Getrunken
wurde natürlich das selbstgebraute Bier meiner Gasteltern. Alle
lachten und amüsierten sich über die auf dem Tisch tanzende
Tante.
Maca
(meine Gastschwester), 2 ihrer Cousins, brachten mir argentinische
Tänze bei und um 6:30Uhr gingen wir 4:00Uhr dann endlich ins
Bett.
Die
Rückfahrt war am 7.1.08 um 6:00Uhr morgens geplant. Was dann
aber auf 3:00Uhr nachts verschoben wurde, da der Strom ausgefallen
war und die Klimaanlage und die Ventilatoren nicht gingen und somit
niemand schlafen konnte, da es so heiß war.
Wir
waren mit einem Jeep unterwegs, der 5 Sitze hat. Da wir aber 6 waren
mussten Maca und ich uns abwechseln, meinen 12jährigen
Gastbruder auf den Schoß zu nehmen. Ich bekam die erste
Schicht. Da ich also nicht schlafen konnte, schaute ich mir 2 Stunden
lang das Gewitter an, durch das wir fuhren.
Zu
Hause angekommen fielen alle tot in die Betten.
Einen
Tag später hatte ich schon wieder Lust zu reisen und mir fiel
ein, dass Rotaract mich auf das E.R.A.U.P
[encuentro
rotaractiano argentino uruguayo paraguayo (Rotaractianisches Treffen
für Argentinien, Uruguay und Paraguay)]
für eine Woche in eine andere Provinz eingeladen hatte.
Ich
hatte Glück. Da ein Mädchen kurzfristig abgesagt hatte,
konnte ich mit ihnen mitreisen.
Das
ganze spielt sich so ab:
Jedes
Jahr im Januar treffen sich an verschiedenen Orten, ca. 400 junge
Rotaractianer. Dieses Jahr wurde das Treffen in einer Kaserne in der
Provinz San Louis veranstaltet.
Es
werden „Tische“ eingeteilt.
„Novicios“
– der Tisch der Rotaractianer, die das erste Mal dabei sind
„Socios“
– der Tisch der Rotaractianer, die schon mehrmals an diesem
Treffen teilgenommen haben
„Especiales“
– der Tisch der Rotaractianer, die eine besondere Aufgabe
haben, wie zum Beispiel die Präsidenten.
Je
nach Gruppe werden verschiedene Themen behandelt, Vorträge
gehalten, Probleme analysiert und, damit die Stimmung nicht absackt,
werden merkwürdige Spiele gespielt.
Der
Tagesablauf sieht dann so aus:
8:00Uhr
Frühstück
8:30Uhr
Treffen der Tische
12:30
Mittag“essen“ (wo man doch immer wieder hingegangen ist,
um zu sehen, ob es wenigstens heute mal etwas leckeres gibt )
13:00Uhr
- 16:00Uhr Siesta
16:00Uhr
Treffen der Tische
20:00
Uhr Freizeit bis zum Abendessen
Zwischen
21:00Uhr - 22:30Uhr Abendessen
12:00
- ? Motoparty
Wir
schliefen in riesigen Schlafsälen, Frauen und Männer
getrennt. Es gab also für 200 Frauen und 200 Männer jeweils
10 Duschen, 10 Waschbecken und 4 Toiletten.
Kein
Wunder, dass da Bad ständig überfüllt war, vor allem
wenn es hieß, es wird sich für die Party fertig gemacht,
und dass so einige zum einen oder anderen Treffen zu spät kamen.
Schon
auf der Hinfahrt machten alle ordentlich Stimmung, sangen und
tanzten.
Als
wir dann aber in der Kaserne ankamen, sah ich, dass das noch gar
nichts war und ich war fest davon, dass man die Stimmung nicht mehr
toppen könnte.
Falsch
gedacht. Als dann nämlich die Leute aus Uruguay und Paraguay 2
Tage später dazukamen und ihre Trommeln mitbrachten, gab es
keine ruhige Minute mehr.
Jeder
verstand sich mit Jedem und es war ein fantastisches Erlebnis.
Am
16.01. brachte uns das argentinische Militär auf Truppenwagen zu
einer frischangelegten Kreuzung, abseits des Straßennetzes, der
Gemeinde von San Louis.
Die
Aufgabe von Rotaract war nun diese Kreuzung mit Straßenschildern
und Pflanzen zu gestalten. Sie dient der Gemeinde nun um
Kindergarten- und Schulkindern Straßenverkehrsregeln und
Straßenschilder frühzeitig nahezubringen.
Am
19.01. fuhren alle wieder zurück in ihre Heimatländer/städte.
Diese
eine Woche hat wirklich sehr viel dazu beigetragen, dass ich
Argentinien nun mit anderen Augen sehe und mein Austauschjahr jetzt
zu genießen weiß.
Ich
hatte eine Menge Spaß und eine wunderbare Zeit.
Am
26.01. musste ich mir dann leider ein neues Handy kaufen, weil mein
altes den Geist aufgegeben hatte.
Am
28.01. wurden dann wieder alle Austauschschüler des Distriktes
4830 abgeholt und es ging nach Rosario um noch einmal das Visum zu
verlängert.
Nach
3 Stunden Fahrt in Rosario angekommen wurde uns dann gesagt, dass das
nicht möglich wäre und dass wir nach Paraguay, Uruguay oder
Chile fahren müssten, um aus-und einzureisen.
Nach
einer halben Stunde hin und her diskutieren sagte man unserem
Chairman, dass wir es auch so machen könnten, dass wir 3 Monate
ohne Visum bleiben und dann auf der Nordreise, auf der wir sowieso
das Land verlassen werden, 50 anstatt 100 Pesos bezahlen und durch
die Ein- und Ausreise ein neues Visum erhalten..
Also
beschlossen wir, es so zu handhaben und wieder nach Hause zu fahren.
Am
03.02. ging ich mit Till auf den Karneval von Esperanza. Es wurde
brasilianisch getanzt und Miss Esperanza gewählt. Es war jetzt
nicht sooo spannend, aber das wurde uns vorher schon gesagt.
Nach
häufigem Nachfragen ging dann der erste geplante Familienwechsel
über den Tisch.
Meine
neue Gastfamilie hat ein wunderschönes großes Haus mit
Garten und Pool. Und ich wohne 2 Blöcke von meinem besten Freund
entfernt.
Meine
Gastfamilie besteht aus: meinem Gastvater Katu, Gastmutter Milagros,
Gastschwestern Valentina (22) und Ruth(18), Gastbruder Francisco(14)
und Pachi, dem Hund.
Katu
ist Kinderarzt, arbeitet in einem Krankenhaus und in seiner Praxis.
Milagros
ist Kinderpädagogin und fängt diese Woche wieder an mit
schwererziehbaren Kindern und deren Eltern zu arbeiten.
Valentina
hat selber schon einen Sohn, Felipe(2), und wohnt mit ihrem Mann 3
Blöcke von uns entfernt. Sie studiert.
Ruth
ist seit 3 Jahren mit ihrem Freund Maxi zusammen und studiert ca.250
km von Esperanza entfernt. Wenn sie nach Esperanza kommt, teile ich
mir mit ihr das Zimmer.
Francisco
ist der einzige, der noch dauerhaft zu Hause wohnt. Wir gehen auf die
gleiche Schule.
Die
Familie ist sehr herzlich und ich bin sehr glücklich hier.
Und
nun, das Neueste:
Ich
hatte einer Freundin aus Ceres schon vor langem versprochen, dass ich
sie besuchen komme. Also rief ich die Familie, die mich in ihr Haus
eingeladen hatte, wann immer ich möchte, an und fragte ob sie
mich für einige Tage aufnehmen könnten.
Da
ihr Sohn am Donnerstag nach einem 3monatigen Austausch nach
Deutschland wiederkommt müssen sie nach Buenos Aires um ihn vom
Flughafen abzuholen und boten mir an, mich auf dem Rückweg mit
nach Ceres zu nehmen. Ich war natürlich total begeistert, aber
das sollte noch nicht alles sein….
Sie
luden mich auf ihren 2wöchigen Urlaub an die Küste nach
Villa Jesse ein!!!
Also
rief ich meinen Chairman an, um nach der Erlaubnis zu fragen. Er
sagte, es wäre überhaupt kein Problem, aber dass ich vorher
noch mit ihm und den anderen Austauschschüler nach Uruguay
reisen, müsse um das Visum zu verlängern, das sich der Club
der beiden Dänen beschwert hatte, dass wir uns ohne Visum im
Land aufhalten.
Also
fahren wir morgen um 7:00Uhr alle zusammen für einen Tag nach
Uruguay um das Visum zu verlängern. Am Donnerstag holt mich dann
die Familie aus Ceres ab und nimmt mich mit. Und am Sonntag geht es
ab an die Küste.
….
Fortsetzung folgt…